Aus dem Nähkästchen geplaudert

Zum Blogartikel vom Januar über das Home Staging Projekt Erbimmobilie (den Artikel finden Sie hier) bekam ich folgenden Kommentar geschickt:

Liebe Frau Dr. Perfahl,
vielen Dank für diesen schönen Artikel. Ich freue mich immer sehr, wenn hier wieder ein neuer Post zu lesen ist.
Diese Verwandlung ganz besonders spannend! Mich würde sehr interessieren, was im Detail gemacht wurde, vielleicht können Sie ein bisschen „aus dem Nähkästchen plaudern”? Liegt es wirklich nur an den ausgetauschten Teppichen? Im Bad wurde wohl der Boden ausgetauscht. Hat das schöne Parkett noch eine Extrabehandlung bekommen? Wände wurden ja auch gestrichen oder neu tapeziert … wer macht das denn? Und wem gehören die Gegenstände, die speziell für das Home Staging verwendet wurden?
(…)
Viele Grüße

Das mache ich doch gern! Hier also der Bericht:

Das Haus

Das Haus stammt aus den 50ern (ich vermute, dass es sogar älter ist, möglicherweise aus den 30er-Jahren; es wurde aber auf jeden Fall in den 50ern umgebaut). In den 60er-Jahren kam noch ein Anbau dazu. Innen fanden sich viele Gestaltungselemente aus den 50er- und 60er-Jahren, vor allem war das Haus über die Jahrzehnte mit sehr hochwertigen Tapeten, Teppichen und Möbeln ausgestattet worden. Jeder Raum war mit einer anderen Tapete geschmückt, vor allem in den Wohnräumen im Erdgeschoss lagen viele Teppiche und standen schöne alte Möbel. Alles machte den Eindruck, dass sich hier jemand schon vor Jahrzehnten mit viel Liebe, Herzblut und auch Geld seinen Wohntraum erfüllt hatte.

HS 16.10.15 WZ1

Das Haus liegt zudem auf einem für innerstädtische Verhältnisse sehr großen Grundstück, sogar mit einem großen Pool, der allerdings auch schon sehr in die Jahre gekommen ist.

Im ganzen Haus wurde viel Holz verwendet: Wandverkleidung im Flur, die Treppe, der schöne Parkettboden in allen Wohnräumen, viele Holzdecken sowie Zierbalken in der Küche.

HS 16.10.15 Kü

Im Haus befanden sich zudem noch Dekorationsgegenstände und Bilder sowie einige persönliche Dinge der früheren Bewohner, einem Seniorenpaar.

HS 16.10.15 Eingang

Problematisch erschien bei der ersten Besichtigung, dass die Wohnräume im Erdgeschoss eher dunkel wirkten und als besondere Schwierigkeit waren alle Teppiche rundherum mit doppelseitigem Klebeband auf dem Parkett verklebt.

Ausgangssituation für die gestaltung

Für das Entwickeln eines Gestaltungskonzepts waren vor allem folgende Punkte wichtig:

  • Viel Holz (überwiegend Honigton)IMG_6127
  • Türkises Badezimmer und türkiser Pool beim Blick aus dem großen WohnzimmerfensterHS 16.10.15 Bad
  • Teppiche auf dem Fußboden verklebt (wie kriegt man den sauber?)IMG_6144
  • Wohnräume im Erdgeschoß wirken dusterIMG_6162

 

Vorbereitende Arbeitsschritte

Vor dem eigentlichen Einrichten waren folgende Schritte notwendig:

  1. Ausräumen fast aller Möbel, Einrichtungsgegenstände und persönlicher Dinge (ein paar wenige Möbel konnten wir ins Gestaltungskonzept einbauen)
  2. Entfernen aller Teppiche.
  3. Alle Wände wurden weiß gestrichen (in manchen Räumen über die Tapete; in anderen wurde die Tapete vorher entfernt).
  4. Danach rückte eine Reinigungsfirma an, die mit einem Spezialreinigungsmittel und einer Bodenputzmaschine den Kleber des Klebebandes, der sich gut mit dem Parkett verbunden hatte, rückstandslos entfernen konnte. (Alle meine Versuche, den Kleber zu entfernen, waren zuvor gescheitert…)
  5. Im kleinen Badezimmer wurde der alte Teppichboden entfernt, darunter fand sich tadelloses Linoleum.
Das Gestaltungskonzept
  • Um ein Gegengewicht zum vielen Holz (warm, eher dunkel) zu schaffen: WEISS
  • Um eine Verbindung zum alten Haus zu schaffen: EINIGE DER ALTEN MÖBEL
  • Um die Farbe von Bad und Pool aufzugreifen: LEITFARBE TÜRKIS (mit benachbarten Tönen, wie petrol und hellblau)
  • Um die dunklen Räume heller zu bekommen: VIEL LICHT

Auf dem folgenden Foto sieht man alle diese Elemente vereint:

HS 16.10.15 Vorraumn

Weißer Teppich, weiße Deko oben auf dem Bord im Flur, die Küchenbank mit weißem Stoff bezogen, ein Bild mit viel Weiß und der Leitfarbe (mit einer Leinwand und etwas Acrylfarbe im Handumdrehen gemalt), Kissen in der Küche und rechts im Gästezimmer, eine kleine Tischlampe in der Küche hinter der Bank, eine Stehlampe im Gästezimmer, eine neue Deckenlampe im Flur.

Hier zur Erinnerung noch einmal das vorher-Bild dazu:

HS 16.10.15 Vorraum

 

Wichtig beim Gestaltungs- und Farbkonzept ist immer, dass es sich konsequent durch alle Räume des Hauses oder der Wohnung zieht.
HS 16.10.15 WZ7n  HS 16.10.15 Kü1n
HS 16.10.15 AZn
HS 16.10.15 WCn
HS 16.10.15 SZ1n
HS 16.10.15 KiZ 1

Voilá!

(Das Haus fand übrigens innerhalb von 5 Wochen einen Käufer)

 

Zu den zwei noch offenen Fragen:

1) Wer erledigt die Arbeiten, wie das Streichen der Wände?

Das mache ich manchmal selber, manchmal beauftrage ich einen Maler. Manchmal kümmert sich auch der Auftraggeber selbst darum, bevor unser Einsatz beginnt.

2) Wem gehören die Möbel, die beim Home Staging verwendet werden?

Ich arbeite mit eigenen Möbeln. Das heißt ich habe einen Fundus von Möbeln und Dekorationsgegenständen, die ich immer wieder verwende. Für jedes Projekt kaufe ich in der Regel dann einige Dinge neu dazu und lasse eigene Bilder auf Leinwand drucken.

Mehr Fotos von Home Staging -Projekten finden Sie übrigens auf meiner österreichischen Webseite www.die-wohnpsychologin.at , die sich ausschließlich dem Thema Home Staging widmet.

 

(Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, in Ihren eigenen 4 Wänden auch ein bisschen was zu verändern: Demnächst startet mein neuer Online-Kurs home-staging-für-dein-zuhause. )

4 Kommentare

  1. Liebe Barbara,

    großartig!

    Es hat mir echt Spaß gemacht, das zu lesen und die Vorher-Nachher-Bilder zu bewundern.
    Eine tolle Arbeit, die mir Lust macht, auch bei mir Zuhause wieder etwas umzugestalten.

    Herzliche Grüße
    Sabine

    • wohnpsychologin

      Liebe Sabine,

      vielen Dank! 🙂 (Honigkuchenpferdegrins)
      Dann wünsch ich Dir viel Spaß beim Umgestalten (die Home Staging Vorgehensweise kann man super auch zuhause umsetzen).
      Herzlichen Gruß
      Barbara

  2. Liebe Barbara,
    tolle Umgestalrung, super Fotos und ein sehr anschaulicher Artikel! Kompliment! Ich habe nun auch schon mein drittes 50iger Jahre Haus gestagt. Es ist jedesmal verblüffend, wieviel Volumen und Atmosphäre man im wahrsten Sinne des Wortes ans Tageslicht bringt ….
    liebe Grüße, Stefanie

    • wohnpsychologin

      Liebe Stefanie,
      danke! Ja, du hast Recht, grad die älteren Immobilien verwandeln sich oft sehr stark beim Home Staging. Ein wirklich spannender Prozess!
      Liebe Grüße
      Barbara

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