Ein Geständnis

Ich neige zur Hümpelbildung.

Jetzt ist es raus.

Ja, ich gebe es zu. Ich bin eine Hümpelfrau. An der Anzahl der Hümpel in meiner Wohnung (oder wahlweise meinem Büro) kann man ablesen, wie stressig mein Alltag gerade ist.

(Für alle Nicht-Norddeutschen unter der werten Leserschaft: “Hümpel, der” ist ein norddeutsches Wort. Der Duden definiert es so:

Haufen, [übereinandergetürmte, aufgeschüttete] Menge von etwas

 

 

Ich werde oft gefragt, ob man an der Wohnung einer Person Persönlichkeitseigenschaften ablesen kann. Und von mir selbst ausgehend kann ich sagen: Hümpel scheinen ein geeigneter Indikator für Stressanfälligkeit zu sein.

Das Schlimme ist: sie nerven mich unendlich, die Hümpel. Hier ein Bücherstapel, da ein kleiner Berg Bügelwäsche, dort verschiedene Papiere. Daneben eine kleine Ansammlung verschiedener Dosen und Schachteln.

Das sieht alles in Summe dann nicht sooo schön aus. Das eigentlich Nervige an diesen Hümpeln ist aber, dass sie mir alle etwas zurufen.

Wir warten jetzt schon ewig darauf, endlich gelesen zu werden!” (die Bücher)

Wenn du uns nicht bald bügelst, hast du nichts mehr anzuziehen, ha, ha!” (schadenfroh, der Wäscheberg)

Wir gehören ein-sor-tiert!” (streng, die Papiere)

Tralalala, wo sollen wir denn hin? Hihi, keine Ahnung! Dann stehen wir halt rum, haha!” (die hübschen Behältnisse).

Und statt einfach mal die Bücher ins Regal zu stellen oder die Wäsche kurz mal wegzubügeln, gehe ich schnell vorbei und tue so, als hätte ich sie nicht gesehen und nicht gehört.

Inzwischen gelingt es mir ja viel besser, die Hümpel als das zu sehen, was sie sind: kleine Botschaften, die mir sagen: Du hast zu viel Stress. Du arbeitest zu viel. Nimm dir eine Auszeit. Und seit es mir besser gelingt, mir Auszeiten zu nehmen, sind auch meine Hümpel verschwunden. Meistens jedenfalls.

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