Wenn der Wintergarten verschwindet

Manchmal komme ich in Häuser, bei denen man von außen einen Wintergarten sieht.

Wenn ich dann in und durch das Haus gehe, ist der Wintergarten plötzlich verschwunden. Stattdessen finde ich zum Beispiel einen solchen Raum vor:

Alle Fenster zugezogen und sehr vollgestellt mit Möbeln, die der Hauptfunktion des Raumes dienen sollen (hier: Esstisch + Stühle + Geschirrschrank) plus Möbel, die woanders nicht mehr hingepasst haben und „vorübergehend“ in den Raum gestellt werden. Hier: Sofa + 2 Sessel.

Manchmal soll der Raum durch die zusätzlichen Möbel auch eine zweite Funktion bekommen, hier war das eine Art Ruhezone.

Ich finde das immer sehr schade, denn ein Wintergarten ist nicht nur irgendein zusätzlicher Raum. Ein Wintergarten ist ein ganz besonderer Raum. Ein Wintergarten ist ein Raum, der maximal Licht und Platz bieten kann – und das sind die beiden Eigenschaften von Wohnräumen, die für viele Menschen eine ganz hohe Priorität haben. Menschen wollen helle und großzügige Räume haben.

Ein Wintergarten bietet nicht nur maximales Tageslicht, sondern auch das Gefühl von Weite. Auch ein kleiner Wintergarten fühlt sich groß an, einfach, weil man seinen Blick in alle Richtungen schweifen lassen kann. Die transparenten Wände des Wintergartens geben einem das Gefühl, nicht begrenzt zu sein durch den Raum. Und das tut uns gut.

Wenn dann der Blick aus dem Wintergarten noch ins Grüne geht, ist das Wohnglück perfekt. Studien belegen, dass uns Natur entspannt, dass wir uns in der Natur erholen können. So hat man sogar herausgefunden, dass der Ausblick aus einem Krankenhausfenster Einfluss auf das Gesundwerden hat – wer auf einen Park statt auf eine Hauswand schaut, wird schneller gesund und braucht weniger Schmerzmittel. Und es ist durch viele Studien erwiesen, dass der Anblick von Natur das körperliche Erregungsniveau, also unsere Anspannung, verringert und die Aufmerksamkeit steigert. Selbst Bilder von Natur haben diesen Effekt!

Dabei machen verschiedene Faktoren den Erholungswert von Natur aus. Es sind vor allem

  • das Gefühl weit weg zu sein vom Alltag,
  • die Faszination, Entdeckungen machen zu können, und
  • der Eindruck von Weite und Grenzenlosigkeit.

In einer kleinen Interview-Studie aus 2007 (Gross & Lane) wurde festgestellt, dass man schon im eigenen Garten da Gefühl haben kann, weit weg zu sein. Man muss gar nicht losmarschieren und in die Berge oder in den Wald oder ans Meer reisen (auch wenn es dort sehr schön ist). Es reicht schon das kleine Grün ums Haus.

Daher kann ich nur wärmstens empfehlen: Wenn du einen Wintergarten hast, lass ihn nicht verschwinden!

Nutze ihn, als das, was er ist: ein Raum in der Natur, ein Raum im Licht, ein Raum der Entspannung. Wie ein Mini-Urlaubsort im eigenen Haus. Für die tägliche Erholung vom Stress und vom Alltag.

 

Das ist übrigens der selbe Wintergarten wie auf den obigen Bildern. Wirklich, genau der.

Ein wunderschöner Raum. Finde ich jedenfalls.

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