Hochsensibel wohnen: 4 Einrichtungstipps

Hochsensibilität ist seit einiger Zeit ein wichtiges Thema, sowohl im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, als auch im beruflichen Kontext. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass etwa 15 bis 20 % aller Menschen sogenannte Hochsensible Personen sind.  

Hochsensible Personen (HSP) zeichnen sich dadurch aus, dass sie innere und äußere Reize viel intensiver wahrnehmen und verarbeiten als andere Menschen. 

Mir ist das Thema erstmals begegnet im Gespräch mit Kathrin Sohst, die mich damals für ihr erstes Buch „Zart im Nehmen“ interviewt hat. Damals haben wir unter anderem darüber gesprochen, was das Thema Wohnen für hochsensible Menschen bedeutet. Ich hatte im Interview mit Kathrin vor allem die Wichtigkeit eines Rückzugsbereiches betont, der ein Kraftraum der positiven Gefühle ist. 

Seit damals habe ich aber auch von ganz anderer Seite immer wieder mit Menschen zu tun, die sich selbst als hochsensibel einordnen. Und zwar bekomme ich von diesen Personen regelmäßig sehr positive Rückmeldungen zu bestimmten Einrichtungsprojekten, die ich im Blog und auf Facebook vorstelle. Dies betrifft vor allem Projekte aus dem Bereich Home Staging. Diese werden von hochsensiblen Personen oft als angenehm, schön oder wohltuend wahrgenommen (Zitat: „Eine Wohltat für’s Auge!“).

Woran liegt das? Warum sprechen diese Räume hochsensible Menschen besonders an?

Hochsensible Personen zeichnen sich ja unter anderem durch folgende Eigenschaften aus:

  • schnelle Überreizbarkeit
  • ein ausgeprägter Sinn für Ästhetik
  • ein gutes Gespür für Farben und Formen
  • ein Blick für Details

Räume, die nach Home Staging Prinzipien eingerichtet sind, weisen nun bestimmte Charakteristika auf, die diese speziellen Eigenschaften hochsensibler Personen ansprechen.

 

Es sind folgende 4 Aspekte, die dabei so positiv wirken:

1. eine sehr lockere und eher reduzierte Einrichtung, was die Anzahl an Möbeln und Dekoration betrifft

2. keine Alltagsgegenstände, die irgendwo herumliegen, keine Kleider an der Garderobe, keine Schuhe im Flur, keine gebrauchten Handtücher über der Badewanne, usw.

3. ein durchgängiges Farb- und Gestaltungskonzept

4. ausreichendes, gut platziertes und von der Lichtfarbe her gut gewähltes Licht.

Nun geht es ja bei Home Staging-Projekten um den Verkauf von Immobilien. Das heißt man braucht keine Alltagseinrichtung, sondern eine, die das Potential und den Charakter der Räume zeigt. (Mehr zu Home Staging hier). Dennoch lassen sich aus dem Vorgehen beim Home Staging ganz klare Einrichtungsempfehlungen für hochsensible Menschen ableiten. Denn bei dieser Art der Gestaltung strahlen Räume eine besondere Harmonie aus, und es gibt keinerlei Reizanhäufungen oder gar Reizüberflutung. Daher sind sie für hochsensible Menschen so ansprechend.

 

Wie setzt man diese vier Punkte denn jetzt am besten in der Praxis, sprich den eigenen Wohnräumen um?

1. Eine lockere und eher reduzierte Einrichtung.

Das heißt konkret: So wenig Möbel und Deko wie möglich, und nur so viel, wie nötig, damit man Punkt 2 gut hinbekommt.

Voraussetzung ist, dass man nicht zu viele Dinge angesammelt hat, also sich möglichst nur mit Gegenständen umgibt, die man entweder wirklich braucht oder wirklich liebt. (Hier streifen wir das Thema Minimalismus, das im Moment ja auch viel im Gespräch ist).Bei den Möbeln hat sich auch der Verzicht auf große oder massive Einbaumöbel als günstig erwiesen. Diese nehmen oft viel Licht und gefühlt Luft weg. Reizreduzierter wird der Gesamteindruck, wenn sich einige ausgewählte Möbel locker, aber günstig platziert im Raum verteilen, mit genug Platz dazwischen, dass der Raum sozusagen atmen kann.

 

2. Möglichst keine Dinge herumliegen zu haben.

Das ist im Alltag nicht ganz einfach, vor allem, wenn man mit Kindern wohnt. Aber man kann auch hier Voraussetzungen schaffen, die dabei helfen, den Raum um einen herum reizreduziert zu halten.

So sollte jedes Ding seinen Platz haben, am besten entweder in Schubladen und Schränken verstaut (wohl geordnet). Möbelstücke, die Stauraum bieten und die Reizvielfalt hinter Türen und Laden verschwinden lassen, helfen dabei. Wenn Dinge frei sichtbar im Raum stehen, hängen oder liegen, sollten sie bewusst und gezielt platziert sein, um sich am Anblick erfreuen zu können beziehungsweise damit den Raum zu gestalten. Und auch Alltagsgegenstände wie Handtücher im Bad lassen sich ja so oder so platzieren: 3 übereinander auf einen Haken oder einzeln glatt gestrichen über einen Handtuchständer. Das sind die kleinen Details, die einen stören oder sich unaufgeregt ins Ganze einfügen.

 

3. Ein Farbkonzept.

Es zahlt sich aus, sich die Zeit zu nehmen, für alle seine Räume, idealerweise für die ganze Wohnung, ein Farbkonzept zu erstellen. Je besser es gelingt, die wilde Welt der Farben zu zähmen, desto harmonischer und ruhiger wirkt das Ganze. Das heißt nicht, dass es nicht farbenfroh oder bunt sein darf – aber alles nach einer klaren Vorstellung des Farbschemas und nicht willkürlich, weil es sich halt so ergeben hat. Es existieren Farbzusammenstellungen, die unruhig und sehr aktivierend wirken, andere hingegen strahlen Ruhe aus. Farben haben eine große Wirkung auf die Räume.

Wie man solche harmonischen Farbschemata findet, würde den Rahmen dieses Textes sprengen; als kurzer Tipp noch sei der Gebrauch eines Farbrades empfohlen.

 

4. Der vierte und ebenso wichtige Aspekt ist das Thema Licht.

Jeder Raum braucht genug Licht, und zwar natürliches und künstliches.

Natürliches Licht bekommt man, indem man die Fenster möglichst nicht zu stark verhängt (selbst dünne Vorhänge nehmen oft viel Licht weg), Vorhänge aber bei Bedarf dazu nutzt, zu hartes Sonnenlicht zu brechen und angenehmer zu machen. Und zur Beleuchtung gibt es folgende Faustregel: Eine Hauptbeleuchtung (meist Deckenleuchte) und mindestens 3 andere Lichtquellen braucht jeder Raum. Die anderen Lichtquellen benutzt man idealerweise dazu, Funktionszonen im Raum zu definieren (die Lese-Ecke, den Essbereich, usw), und gleichzeitig eine angenehme Stimmung zu erzeugen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Leuchtmittel eine passende Lichtfarbe aufweisen; moderne Leuchtmittel erzeugen manchmal viel zu kaltes, in Einzelfällen auch zu warmes oder gefärbtes Licht.

Diese vier Punkte kann man relativ einfach bei der Raumgestaltung und beim Einrichten im eigenen Zuhause anwenden. Auch wenn man sie im Alltag nicht 100%ig wird umsetzen können, kann man sich dem Idealzustand trotzdem annähern und so Räume schaffen, die einem gut tun und in denen man die Akkus auftanken kann, weil sie ein reizarmes und harmonisches Ganzes und damit ein Wohlfühlzuhause ergeben.

 

Folgende zwei Bücher kann ich zum Thema Hochsensibilität sehr empfehlen:

Kathrin Sohst: „Zart im Nehmen: Wie Sensibilität zur Stärke wird.“ Gabal Verlag, 2016. 24.90 €

Sabine Dinkel: „Hochsensibel durch den Tag.“ Humboldt Verlag, 2016. 19,99 €

 

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