Die 3 besten Tricksereien beim Einrichten. Oder: Warum Fakes so gut funktionieren

Beim Einrichten gibt es ja immer mal so Dinge, die man gerne hätte, die aber irgendwie nicht möglich sind. Man würde soooo gern mal die Stirnwand in diesem super coolen dunklen Blau streichen. Traut man sich aber nicht, weil man ja in spätestens 2 Jahren aus der Mietwohnung wieder raus muss. Oder man wünscht sich sehnsüchtigst einen offenen Kamin im Wohnzimmer.  Geht aber nicht. Im Wohnzimmer gibt es keine Möglichkeit einen Kamin anzuschließen. Oder man hätte so gern viel mehr Pflanzen in der Wohnung. Das funktioniert aber nicht, weil es an vielen Stellen viel zu finster ist. Die gehen immer alle ein. 

Hier kommt die gute Nachricht: Beim Einrichten kann man ganz oft so tun als ob. Man kann tricksen und einen FAKE einsetzen. (Für alle, die nicht so viele englische Serien schauen:  „fake“ heißt auf Deutsch „Fälschung“, „Schwindel“ oder „Imitation“. Und als Verb dann logischerweise fälschen, schwindeln, imitieren.)

Wir Menschen lassen uns ja gern was vorgaukeln. Unsere Wahrnehmung hilft uns dabei. Denn unsere Wahrnehmung funktioniert so, dass wir aus all den uns umgebenden Reizen eine Auswahl über die Sinnesorgane aufnehmen, diese Informationen ins Gehirn weiterleiten und dann dort interpretieren. Bei dieser Interpretation greifen wir auf uns Bekanntes zurück. Um schnell und effizient reagieren zu können, hat uns die Evolution dabei mit der Fähigkeit ausgestattet aus einem Bruchteil der Reize eines Objekts gleich das Objekt selbst erkennen zu können. Wir sehen also einen Teil eines Objekts, unser Gehirn vervollständigt das Objekt, ergänzt dann in Sekundenbruchteilen die dazugehörigen Eigenschaften und wir wissen auch sogleich was daraus folgt.

Ein Beispiel: Wir gehen durch den Wald, sehen hinter den Bäumen einen Tigerschwanz hervorlugen, unser Gehirn vervollständigt das kleine Stück Schwanz zum Objekt Ganzer Tiger. Dazugehörige Eigenschaften: Rennt sehr schnell und frisst Menschen. Was folgt daraus: Lebensgefahr, auf und davon!!!

Das funktioniert natürlich auch bei gänzlich ungefährlichen Tieren, wie dem Hund hier im Bild. Oder auch bei unbelebten Objekten.

Und man kann diese Eigenschaft des Gehirns, Objekte zu vervollständigen und sofort die zugehörigen Eigenschaften dazu zu denken, ausnutzen, um sich selbst (und anderen) etwas vorzugaukeln, was gar nicht da ist. Und zwar ganz gezielt beim Einrichten von Räumen. 

Sehr praktisch.  

Heute zeige ich Ihnen meine Top 3 Tricksereien beim Einrichten, meine 3 liebsten Fakes. 

Und so kommen wir zum ersten Fake, meinem absoluten Favoriten:

Fake Nr 1: Der Fake-Kamin

Fake-Kamine sind eine wunderbare Sache. Denn einen offenen Kamin zu haben, ist der Traum vieler. Umsetzen können das aber nur wenige. Nur wenige Wohnungen und Häuser haben in unseren Breiten einen offenen Kamin; gerade in Mietwohnungen sind offene Kamine ja eine absolute Rarität. 

Und da kommt der FAKE-Kamin ins Spiel. Man kann einen offenen Kamin nämlich mit einer einfachen Kaminumrandung aus Holz darstellen.

Wenn man also gern einen Kamin hätte, in der Wohnung aber keiner vorhanden und keiner möglich ist, kann man sich eine Kaminumrandung aus Holz kaufen und so tun, als hätte man einen Kamin.

Analog zum Beispiel mit dem Tiger wird Folgendes passieren:

Wenn wir eine Kaminumrandung sehen, haben wir die Assoziation KAMIN – unser Gehirn vervollständigt quasi das Bild. Und wir assoziieren auch gleich die dazugehörige Eigenschaft: produziert Wärme. Was daraus folgt: Gemütlichkeit und angenehm wohliges Gefühl.

Man wird durch so einen Fake-Kamin einen nicht unerheblichen Teil der Wirkung eines echten Kamins bekommen. Ok, die Wärme selbst nicht (obwohl es auch dafür gute Lösungen gibt: passende Heizlüfter). Aber: der falsche Kamin erzeugt eine wohnliche und gemütliche Wirkung. Darüberhinaus schaut er meist edel aus und man kann langweilige oder einfache Räume damit total aufwerten.

So wie hier in einem sonst eher ungünstig geschnittenen Flur:

Die Kosten für so einen Fake-Kamin halten sich in Grenzen. In diesem Fall waren es 98 € für die Kaminumrandung und 16 € für das Textilbanner mit Feueraufdruck. Dazu kommt dann noch die Deko, in diesem Fall 3 Holzscheite. Das könnte aber auch eine Lampe oder ein Tablett mit Kerzen darauf sein.

Oder hier in diesem Wohn-Esszimmer, das durch den Kamin einen zweiten Blickfang (neben der Terrassentür) bekommen hat.

Ich selbst habe einen Fake-Kamin im Schlafzimmer, eines meiner Lieblings-Einrichtungsobjekte, das mich auch im 60er-Jahre-Haus an einen eleganten Altbau denken lässt. Auch in der von mir betriebenen Ferienwohnung habe ich einen solchen Kamin ins Schlafzimmer gestellt. Die Feriengäste finden es super, ich bekomme tolle Rückmeldungen dazu.

Kommen wir zur Nummer 2 meiner Lieblingsfakes beim Einrichten.

FAKE Nr. 2: kunstpflanzen

Ich hätte das früher nie geglaubt, dass ich einmal für Kunstpflanzen eine Lanze brechen würde.

Aber ich habe festgestellt: Wenn man Bereiche in der Wohnung hat, wo nichts gedeihen kann, weil es zu dunkel ist, man aber gern Grün in diesem Raum hätte oder Pflanzen super ins Gestaltungsthema passen würden, dann empfehle ich, sich auf die Suche nach guten Kunstpflanzen zu machen. Leider sind die Mehrzahl, ich schätze 80-90 %, der Kunstpflanzen, die man so in Läden findet, nicht sonderlich schön. Es gibt aber Kunstpflanzen, die richtig gut wirken. Ich verwende seit einiger Zeit gern solche Kunstpflanzen in Home Staging -Projekten, aber auch in dunklen Ecken bei mir im Haus.

Das können Fake-Zimmerpflanzen sein, aber auch Fake-Blumen oder -Blätter oder sogar Fake-Balkonblumen, wie die Geranien im zweiten Fotobeispiel hier.

 

Ich höre manchmal, dass falsche Blumen auch irgendwie ein falsches Gefühl oder eine unangenehme Atmosphäre schaffen würden. Letztlich ist es natürlich eine subjektive Sache, wie es sich für einen anfühlt mit Kunstpflanzen im Raum. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass nicht nur echte Natur eine positive Wirkung auf uns hat (stressreduzierend, blutdrucksenkend, konzentrationsfördernd, usw.), sondern dass auch die Nachbildung von Natur, ja selbst Bilder von Natur eine positive Wirkung auf uns entfalten.

Der Mechanismus ist immer der Gleiche: Unser Körper und unser Geist reagieren alleine auf die Kennzeichen, die Natur darstellen (Pflanzenformen, grüne Farbe, Reizkonstellation) positiv. Wir können diesen positiven Einfluss also nutzen, auch wenn wir in bestimmten Raumsituationen keine Natur zur Verfügung haben.

 

Und FAKE Nr. 3: MöbelFotos

Beim Home Staging setzt man nicht nur Möbelattrapen, sondern manchmal sogar nur Fotos von Möbeln ein. Diese Täuschung kann man natürlich auch beim Einrichten verwenden. Warum denn nicht? Wenn es gut aussieht und einen schönen Effekt erzeugt?

Hier ein paar Beispiele aus Projekten, die ich eingerichtet habe:

Ein Bücherregal, wo gar keines ist:

In Wirklichkeit sind das Textilbanner mit Fotodruck; die gleiche Art wie das Kaminfeuer im Beispiel weiter oben.

Hier habe ich ein Textilbanner verwendet, das die Anmutung eines weißen Holzpanels hat. Dahinter ist der Sicherungskasten versteckt. (Das Textilbanner hat 9,90 € gekostet und lässt sich mit zwei ganz kleinen Nägeln oben an der Wand befestigen.)

Gute Anregungen für den Einsatz solcher Deko-Banner findet man beim Bummel durch die Einkaufsstraßen – die Schaufensterdekorationen liefern hier manchmal interessante Ideen. Erwerben kann man solche Banner in den Online-Shops von Ladenausstattern.

Gern mag ich auch Fototapeten, die architektonische Elemente vorgaukeln, so wie hier in diesem Laden, den ich gestaltet habe. Die Tür, ganz rechts im Bild, die in den Südflügel des Schlosses führt, ist in Wirklichkeit eine Schiebetür zu einem kleinen Lagerraum.

 

 

Das waren sie also, meine drei liebsten Fakes beim Einrichten.

Tolle Einrichtungslösungen ergeben sich oft ja durch Inszenierungen. Und genau dafür sind Fakes oft sehr gut. Beim Wohnen geht es aus meiner Sicht vor allem ums Wohlfühlen. Und warum nicht Dinge beim Einrichten verwenden, die einfach ein gutes Gefühl erzeugen, auch wenn sie vielleicht darüber hinaus keine andere Funktion erfüllen.

 Wir können also täuschen und so tun als ob – beim Einrichten ist das alles erlaubt! 🙂

In diesem Sinne: Fake it!

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