Wohnpsychologie als Beruf

Oder: Gemeinsam statt einsam! Das Netzwerk Wohnpsychologie

Ich arbeite jetzt seit 10 Jahren als selbständige Wohnpsychologin. Im Oktober 2008 habe ich mein Gewerbe angemeldet, mit Ende März 2009 meine Festanstellung gekündigt. Ich habe damals mein erstes Beratungskonzept entwickelt, erste Artikel und Blogbeiträge geschrieben. Als ich angefangen habe, war ich fast ganz alleine im deutschsprachigen Raum. Es gab außer mir nur noch zwei oder drei andere „Wohnpsychologen“ oder „Wohncoaches“ die auch eine Art „psychologische Wohnberatung“ angeboten haben (So hat das mal eine Journalistin genannt).

Niemand hat meinen Beruf gekannt. „Was sind Sie? Wohn-Psychologin?? Das habe ich ja noch nie gehört.“ Ich war total exotisch. Inzwischen hat sich das ein bisschen verändert. Wohnpsychologische Themen sind regelmäßig in den Medien, Wohnpsychologen/innen werden als Experten interviewt und immer wieder treffe ich Menschen, die schon einmal gehört haben, dass es die Wohnpsychologie gibt.

Und ich bemerke seit etwa drei oder vier Jahren, dass es Interesse am Beruf und Arbeitsfeld der Wohnpsychologie gibt. Ich habe immer wieder Anfragen von Psychologen, Studenten, Einrichtern, oder Innenarchitekten, die sich überlegen in der Wohnpsychologie zu arbeiten. Sie sagen: Ich finde den Bereich total spannend! Was muss ich tun, damit ich auch als Wohnpsychologe arbeiten kann? Was brauche ich? Wie fange ich an? Gibt es eine Ausbildung? Wie komme ich eigentlich an Kunden?

Gleichzeitig sehe ich aber, dass ich auch nach 10 Jahren in der Wohnpsychologie immer noch fast alleine auf weiter Flur bin. Obwohl das Feld der Wohnpsychologie beruflich für viele interessant erscheint, und obwohl der Überschneidungsbereich von Architektur und Psychologie auch in der Wissenschaft gerade ein Trendthema ist (Stichwort Neuroarchitektur), habe ich immer noch sehr wenige Kolleginnen oder Kollegen. Geschweige denn ein Wohnpsychologie-Netzwerk.

 

Warum ist das so?

Meine Vermutung ist, dass der Übergang vom Wunsch als Wohnpsychologe oder mit der Wohnpsychologie zu arbeiten hin zum wirklichen Schritt, beruflich in die Wohnpsychologie einzusteigen, schwierig ist.

War es ja für mich damals auch. Was habe ich überlegt, wie mein Beratungsangebot aussehen könnte. Was habe ich rumgetüftelt, bis ich die richtige Webseite am Start hatte und dann auch ein Jahr später gleich die nächste (die erste war nämlich in Wirklichkeit nix Gescheites). Wie viel Zeit habe ich investiert in die Suche nach einer Versicherung, in ein gutes Preismodell, und was habe ich nicht alles ausprobiert, um Aufträge und Kunden zu bekommen. Da ging viel Arbeit, viel Zeit und viel Energie rein. Und ich habe natürlich auch viele Fehler gemacht und Extra-Runden gedreht.

Und auch wenn es heute mehr Möglichkeiten gibt, sich Dinge abzugucken (das tut man ja im Business vor allem am Anfang: schauen, wie machen es andere): Es gibt immer noch so viele Fragen zu beantworten und so viele Entscheidungen zu treffen, bis ein Business wirklich anfängt, sich zu bewegen. Und das schreckt viele ab. Von der ersten Euphorie, wenn sie auf das Thema Wohnpsychologie stoßen („Das ist ja wie für mich gemacht!“, „Das trifft genau meine beiden Interessen: Psychologie und Einrichten!“) bleibt oft nicht so viel übrig, wenn klar wird, das es nur verzeinzelt Ausbildungsangebote gibt und in der Regel keine Angestellten-Jobs in dem Bereich. Und die Vorstellung sich mit Wohnpsychologie selbständig zu machen wirkt für viele so riskant, dass sie ihren Traum dann wieder begraben.

 

Ich finde das echt doof. Denn nicht nur wünsche ich persönlich mir viele Wohnpsychologie-Kolleginnen und -Kollegen und ein Netzwerk für den Austausch. Ich bin darüber hinaus auch überzeugt, dass es Bedarf an wohnpsychologischer Beratung und Dienstleistung gibt. Es gibt viele Menschen, die Unterstützung oder Anstöße beim Einrichten und bei der Wohnungswahl brauchen, und zwar nicht auf Ebene eines Innenarchitekten oder Einrichtungsberaters, sondern eher wie ein Coaching. Und die psychologische Sichtweise ist im gesamten Feld der Architektur und Innenarchitektur sowie beim Einrichten noch viel zu vernachlässigt. Da jeder Wohnpsychologe mit seiner Arbeit auch ein Botschafter für die Wohnpsychologie ist, kann es gar nicht genug von uns geben. Mit jedem von uns wird das Thema ein Stück bekannter und die Wohnpsychologie bekommt mehr Gewicht.

Meine Vision ist es, dass die Wohnpsychologie einmal ein ganz selbstverständlicher Baustein beim Einrichten und der Raumgestaltung ist. Ich will mein 20. Firmenjubiläum in meinem Wohnpsychologen- Netzwerk feiern können!

Wenn du dir etwas wirklich wünscht, lass es Wirklichkeit werden!

Und weil Dinge meist nur dann passieren, wenn man sie möglich macht, habe ich mir überlegt: Ich starte einfach mein eigenes Wohnpsychologie-Netzwerk!

 

Ich starte ein Business-Netzwerk Wohnpsychologie.

Es gibt meines Wissens bisher kein (kostenloses) Netzwerk im deutschsprachigen Raum, dass allen zugänglich ist, die sich beruflich für Wohnpsychologie interessieren, also:

  • Wohnpsychologen
  • Psychologen/innen, die zukünftig im Bereich Wohnpsychologie arbeiten wollen
  • Einrichtungsprofis, wie z.B. Innenarchitekten, Einrichtungsberater oder Home Stager, die wohnpsychologisches Know-how in ihrem Beruf einsetzen wollen.

Damit wir schnell starten können mit unserem Austausch, habe ich eine geschlossene FB-Gruppe angelegt. Darin können wir uns austauschen, jeder kann Fragen stellen und seine Erfahrungen teilen, wenn er möchte. (Vielleicht stelle ich das Ganze später einmal auf eine andere technische Grundlage, aber erst einmal ist Facebook eine gute Möglichkeit).

Das Wohnpsychologie-Netzwerk findest du hier: FB-Gruppe Business Netzwerk Wohnpsychologie.

Also, wenn dich die Wohnpsychologie beruflich interessiert, schau doch mal vorbei! Ich freue mich darauf!

(Fotos 2 und 3: gades photography bzw. Nick Morrison via Unsplash)

2 Kommentare

  1. Liebe Barbara,

    auch wenn ich mich (noch) nicht als Wohnpsychologin bezeichne, ist es doch ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit. In der Verkaufsraumgestaltung und dem Ladenbau wird ja schon ganz viel mit der Wirkung von Räumen auf das Verhalten von Menschen gearbeitet und auch im Feng Shui gibt es ähnliche Ansätze.
    Bei meinen Beratungen starte ich immer mit den Fragen: Was soll sich verändern in ihrem Leben oder in ihrem Unternehmen. Und dann arbeiten wir die Ziele heraus. Erst wenn wir die kennen, können wir die Räume daraufhin gestalten.
    Dein Vortrag beim WEC hat mich nun neugierig gemacht, mehr über die Wohnpsychologie zu erfahren, um sie auch gezielter einzusetzen.
    Ich freu mich auf das Netzwerken!

    Herzliche Grüße
    Katrin

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