Erfindungsreiche Aneignung

 

Vor einiger Zeit hat mich Wolfgang Lehner (übrigens ein toller Fotograf und Spezialist für Content-Produktion mit dem Smartphone) auf einen TED-Talk aufmerksam gemacht. Der Titel des Talks lautet: “Ingenious Homes in unexpected places”, also etwa “Erfinderische Wohnungen an unerwarteten Orten” oder auch “Geniale Wohnungen an unerwarteten Orten”. Iwan Baan, ein niederländischer Fotograf, zeigt darin, wie sich Menschen auf der ganzen Welt Wohnraum schaffen und diesen gestalten. Und zwar unter schwierigen sozialen und ökonomischen Bedingungen, ohne Unterstützung vom Staat, in zum Teil eher lebensfeindlicher Umwelt.

Er nimmt einen mit auf seine Reisen und man sieht Bilder von ganzen Städten aus Häusern, die in den Boden gegraben wurden, auf dem Wasser schwimmen oder quasi auf Müll stehen. Am meisten beeindruckt hat mich sein Bericht eines nie fertig gestellten 45-stöckigen Hochhauses in Caracas, das von 3000 Menschen bewohnt wird. Sie nutzen den Rohbau als Struktur, in der sie Hunderte Wohnungen abgetrennt, ausgebaut, eingerichtet und gestaltet haben. In dem Hochhaus gibt es Geschäfte, Dienstleister und sogar ein Taxiunternehmen, dass die Leute über Rampen im Haus hoch und runter fährt (denn Fahrstühle gibt es ja natürlich keine).

Sehr spannend ist dabei zu beobachten, wie die Menschen gerade auch in solchen Strukturen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Design-Entscheidungen treffen. Wie sie sich ein Zuhause schaffen, es sich schön machen – sich die Räume aneignen.

Aneignung – für mich einer der zentralen Begriffe in der Wohnpsychologie. Sich die Umwelt zu eigen zu machen; Räume zu seinen ganz persönlichen Räumen zu machen; ein Haus in das eigene Zuhause zu verwandeln.

Mir gefällt außerdem sehr gut, mit wie viel Respekt und Wertschätzung Iwan Baan über die Menschen und ihre Wohnräume spricht, die er in seinen Fotos portraitiert.

Daher: absolute TED-Talk-Empfehlung! (Dauer ca. 16 Minuten)

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