Suche
  • (+49) 0170 . 29 86 839
Suche Menü

Das Wachthaus

 

Egal, wo ich hinkomme, bin ich irgendwie immer auf der Suche nach Häusern. Ich habe Freude daran, sie zu entdecken und anzuschauen: Architektonisch interessante, ungewöhnliche, schöne, manchmal auch vernachlässigte oder verschandelte Häuser. Am liebsten würde ich ja immer auch gleich hinein schauen, aber das geht meist ja nicht. Dann stelle ich mir zumindest vor, wie es darin wohl aussehen mag.

Am allerliebsten aber habe ich alte Häuser. Die haben es mir angetan. Häuser mit Geschichte. Egal ob Burg oder winziges Bauernhaus, manchmal auch nur ein alter Stall oder eine Scheune. Solche Häuser ziehen mich irgendwie magisch an.

So wie das, an dem ich vor ein paar Wochen an einem traumhaft schönen und warmen Frühsommertag im oberösterreichischen Mühlviertel vorbei gekommen bin, bei einer kleinen Wanderung entlang der Pferdeeisenbahntrasse.

Die Pferdeeisenbahn war die erste Ferneisenbahn in Europa und wurde 1832 eröffnet. Sie verband das tschechische Budweis mit Linz, ab 1836 wurde sie weiter bis Gmunden geführt. Neben Bahnhöfen und Stationen gab es auf der Strecke zwischen Linz und Budweis auch 51 Wachthäuser, von dort aus wurde die Inspektion und Wartung der Strecke durchgeführt. Das Wachthaus Nr. 39 steht in der Nähe von Trosselsdorf / Neumarkt im Mühlkreis.

 

Ein kleines weißes Haus, so wie man sich als Kind ein Haus vorgestellt hat – schmale Fenster, Ziegeldach, eine einfache Haustür vorn und Blumen daneben. Ein kleiner Holzanbau. (Vielleicht ein Pferdestall?) Ein bisschen schief und schnörkellos, aber trotzdem sorgsam gestaltet. So kommt es mir vor.

Irgendjemand verbringt dort seine Wochenenden, trinkt nachmittags im Garten Kaffee mit Blick auf eine große Wiese, über die einst die Pferdeeisenbahn lief. Oder sitzt an schönen Sommerabenden mit einem Glas Wein auf der Bank vor dem Haus. Am liebsten hätte ich mich dort auch hingesetzt. Ein Glas Wein in der Hand und das kleine alte weiße Haus im Rücken.

 

www.pferdeisenbahn.at

Was tun mit… grasgrünen Küchenfliesen?

Ein wichtiges Element beim Home Staging ist Farbe. Das Aussuchen oder Zusammenstellen des passenden Farbschemas ist einer der zentralen Aspekte bei der Planung der Einrichtung. Vor allem bei gebrauchten Immobilien ist  die Farbauswahl entscheidend für das Gesamtbild  in den Räumen. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass in fast allen etwas älteren Immobilien schon Farbe vorhanden ist. Und damit meine ich nicht Wandfarben. Das wäre einfach, Wände kann man mit wenig Aufwand weiß streichen. Ich meine damit zum Beispiel Fliesenfarben im Bad, in der Küche oder auch bei Bodenfliesen. Oder Farben bei Teppichböden. Oder ganz interessant: Farben von Türen, Türstöcken und Fensterrahmen.

hs-kno-mietw-flur-gelber-tuerstock

Also immer dann, wenn im Haus farbige Elemente verbaut sind, die sich nicht mal einfach schnell überstreichen lassen. Klar kann man auch Heizkörper, Türstöcke, oder auch Badezimmerfliesen übermalen (es gibt tatsächlich sehr gut deckende Fliesenfarbe). Und in manchen Fällen ist das beim Home Staging auch sinnvoll. Ein Prinzip von Home Staging ist es aber andererseits, den Aufwand möglichst in Grenzen zu halten. Oder noch weitergehend: Mit möglichst sparsamen und einfachen Mitteln einen möglichst guten Effekt zu erzielen.

Und in diesem Sinne ist oft die beste Lösung, einfach die vorhandenen Farben in die Gestaltung der Immobilie mit einzubauen. Man wählt das Farbschema der Einrichtung auf der Basis der im Haus oder in der Wohnung bereits vorhandenen Farben. Und dieses Farbschema setzt man dann im ganzen Haus ein. Und „im ganzen Haus“ meint wirklich in jedem einzelnen Raum.

Bis hin zum WC.

miew-perg-02-08-16-17-wc

Oder auch der Abstellkammer.

muwo-kronstorf-13-abstell

 

Die einfachste Form eines Farbschemas ist jenes, das nur mit einer einzigen Farbe arbeitet – also ein monochromes Farbschema – wie in den beiden vorherigen Fotos: einmal monochrom rot beim WC, einmal gelb beim Abstellkammer-Beispiel. Es gibt noch einige andere Arten von Farbschemata, mit 2, 3 und noch mehr Farben; manche auch recht komplex; aber die sollen heute nicht Thema sein.

Die einfachste Form eine im Haus vorhandene Farbe in das Farbschema mit aufzunehmen, ist nun diese Farbe einfach so wie sie ist, zu übernehmen.

Ein Beispiel für ein einfaches, also monochromes Farbschema, das die in der Immobilie bereits vorhandene Farbe wie vorhanden übernimmt, möchte ich Ihnen heute zeigen.

Es handelt sich um eine Eigentumswohnung, in der bis vor einiger Zeit eine ältere Dame gewohnt hat. Die Angehörigen der Dame hatten zum Zeitpunkt der Erstbesichtigung die Wohnung bereits teilweise geräumt; es waren nur noch ein paar Möbelteile und Einrichtungsreste vorhanden.

Ausgansgpunkt für die Farbgestaltung war in diesem Fall die Küche:

img_9460-kueche-v-kopie

Der kräftig grasgrüne Fliesenspiegel dominierte farblich den Raum und auch aus dem benachbarten Esszimmer waren die Fliesen gleich zu sehen.

Der Rest der Wohnung war, bis auf kleinere Wandmalereien, in weiß gehalten, Dazu gab es überall Parkettboden.

 

img_9474

img_9467

img_9476

 

Interessant war in dieser Wohnung auch der original erhaltene Vorzimmerverbau, wahrscheinlich aus den 60ern.

img_9454

 

Da ansonsten keine weiteren Farben in der Wohnung vorhanden waren (die Wandbemalungen sollten unter weißer Farbe verschwinden), bot es sich an, das Grasgrün der Küche einfach genau so in allen Räumen zu verwenden. Das Grün sollte Frische in die ansonsten weiß- und holzdominierte Wohnung bringen und es erschien auch für den Balkon ideal. Da dieser nicht unbedingt einen Blick ins Grüne eröffnete, konnte man so zumindest auch grün auf den Balkon selbst bringen.

img_9475

 

Zur Gestaltung sollte also verwendet werden:

  • viel Weiß und eher kühle Materialien als Gegenpol zum Holz des Bodens und des Vorzimmers
  • als Leitfarbe das Grün der Küchenfliesen

Am einfachsten lässt sich die Farbe mittels der Dekoration einbringen; Kissen, Gläser, Untersetzer, Handtücher und Ähnliches gibt es ja in allen Farben zu kaufen. Schwieriger ist es manchmal mit den Bildern. Ich produziere diese daher für viele Projekte individuell selbst; dafür verwende ich Bilder aus meinem Foto-Fundus.

img_2607

 

Und so haben meine Kollegin und ich das Farbschema nun umgesetzt:

 

img_9476

etw-perg-13-5-16-2-wz1

etw-perg-13-5-16-1-wz2

 

img_9467

etw-perg-13-5-16-8-ez

 

img_9454

etw-perg-13-5-16-7-flur2

 

img_9474

etw-perg-13-5-16-4-sz

etw-perg-13-5-16-5-sz2

 

Beim Fotografieren war uns dann auch noch das Wetter gewogen, sodass es nicht nur grün auf dem Balkon wurde, sondern auch noch blauer Himmel zu sehen war  🙂

img_9475

etw-perg-13-5-16-6-balkon

 

Die Küche bekam zum Grün der Fliesen und der etwas unruhigen Kombination aus Boden und Küchenfronten nur mehr etwas Weiß.

etw-perg-13-5-16-10-kue

 

Fertig! 🙂

(Die Wohnung fand übrigens bereits nach 10 Tagen einen Käufer.)

 

 

 

Wider die Beliebigkeit

1.

Ich war vor ein paar Wochen zum ersten Mal in der kleinen Stadt Wernigerode. Sie liegt im Harz, die schöne Landschaft ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, deshalb fuhr auch ich in diese Gegend. Von Hamburg aus ist man mit dem Auto in gut 2 Stunden dort. Ich wollte auf den höchsten Berg im Umkreis marschieren, den Brocken, suchte in der Umgebung ein Quartier und fand in Wernigerode eine nette Frühstückspension. Ich wusste bis dahin nicht viel von Wernigerode.

Als ich dort ankam, traute ich meinen Augen kaum. Wernigerode ist eine Stadt, die – anders als die allermeisten Städte in Deutschland oder Österreich – wie aus einem Guss wirkt. Die Innenstadt von Wernigerode besteht fast vollständig aus Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Aber nicht nur die Fußgängerzone und innere Stadt, sondern auch weite Teile der umgebenden Bereiche von Wernigerode bestehen aus Altbauten und passen zum mehrere Jahrhunderte alten Stadtkern.

img_1706

Klar findet man auch in Wernigerode hie und da Gebäude aus den letzten Jahrzehnten, es gibt natürlich Tankstellen und Supermärkte, oder auch mal ein Verwaltungsgebäude aus den 60ern. Der überwiegende Teil der Häuser ist aber viel älter, nicht wenige sind schon 500 Jahre alt.

img_1708

Renovierungsbedürftige Häuser werden zumeist mit großem Aufwand saniert. Neues und Notwendiges wird behutsam an das Gesamtesemble angepasst und vorhandene Gestaltungselemente aufgenommen. Alles macht den Eindruck einer bedachten und wertschätzenden Gestaltung – sowohl städtebaulich, als auch im Einzelnen.

Ich bin zwei Tage lang total beglückt durch die Straßen spaziert, habe hinter jeder Ecke ein neues Detail oder ein neues Häuseresemble entdeckt, und habe mich gefragt, was es eigentlich ist, das mich an so einer Umgebung so berührt.

Die Antwort ist: Es ist die Abwesenheit von gestalterischer Beliebigkeit. Es ist die Abwesenheit von gedankenloser Umgebungsverschandelung, wie sie vorkommt, wenn ohne Bezug zum Vorhandenen gebaut wird.

img_1717

Keine Toskanavillen neben Schwedenhäusern neben mit Dämmplatten bis zur Unkenntlichkeit veränderten Wohnhäusern aus allen möglichen Jahrzehnten. Kein Mix aus Bürobauten aus den letzten 50 Jahren, mal verspiegelt, mal Beton, mal großflächig mit Firmenlogos bemalt. Keine Bauklötze, die Sichtachsen verstellen oder deren Proportionen alles Vorhandene sprengen.

img_1714

Natürlich ist Wernigerode nicht einfach eine im 16. Jahrhundert eingefrorene Stadt und baulich auch nicht aus einem Guss. Und das, was für uns heute als Einheit daher kommt, ist auch über Jahrhunderte hinweg entstanden. Neben Häusern aus dem 16. Jahrhundert ist zum Beispiel das Schloss, dessen Ursprünge im 12. und 13. Jahrhundert liegen, in seiner jetzigen Form erst Ende des 19. Jahrhunderts gestaltet worden. Laut Wikipedia „ein Leitbau des norddeutschen Historismus“.

img_3768

Und dennoch bewirkt eine solche Umgebung bei mir… visuelle Entspannung. Wenn man sich in der Innenstadt von Wernigerode bewegt, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Fast wirkt es unecht. Ein bisschen wie in einem Museum. Wernigerode ist aber kein Museum. Es ist eine lebendige Stadt, die offensichtlich von ihren ästhetischen Werten auch gut leben kann – Touristen gibt es jedenfalls viele dort. Museal wirkt es nur deshalb, weil wir es nicht mehr gewöhnt sind, in einer nicht völlig verschandelten oder nicht beliebig bebauten Umwelt zu leben.

 

2.

Vorige Woche habe ich Tarek Leitner, Journalist und Nachrichtensprecher beim Österreichischen Rundfunk  kennengelernt. Er hat auf einer Immobilientagung einen Vortrag gehalten und danach sein Buch signiert. Das Buch heißt „Mut zur Schönheit“ und ist eine Streitschrift gegen die Verschandelung Österreichs. (Brandstätter Verlag, 2012)

Tarek Leitner beschreibt in diesem Buch, wie sich unsere Umgebung in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat – und zwar zum Hässlichen hin. Er zeigt auf, wie wirtschaftliche Interessen unsere Umwelt gestalten – beziehungsweise eigentlich nicht gestalten im Sinne von: bewusst Formen, Farben und Stilelemente einzusetzen, um etwas Ästhetisches und mit seiner Umwelt in Beziehung stehendes zu schaffen. Sondern gestalten im Sinne von: Irgendetwas hinklotzen und damit gestalterische Tatsachen zu schaffen. Er prangert die Beliebigkeit des Bauens an.

Tarek Leitner erzählte mir, er habe sich dieses Thema von der Seele schreiben müssen, und sei erstaunt, welche Resonanz er seither erlebe.

Sein Buch spricht auch mir aus der Seele.

Ich stehe oft fassungslos vor einem neuen Firmengebäude, das am Rand einer kleinen Stadt mitten in eine schöne Landschaft gestellt wurde, und diese Landschaft und das Ortsbild jetzt kilometerweit visuell dominiert.

verschandelung-2

 

Ich stehe fassungslos vor den Trümmern einer über 100 Jahre alten Donaubrücke, die das Stadtbild meiner Heimatstadt geprägt hat, und die ratz fatz abgerissen wurde, weil die Renovierung angeblich zu viel gekostet hätte und sie nicht in das zukünftige Verkehrskonzept passt.

eisenbahnbruecke

reste-eisenbahnbruecke

 

Und noch fassungsloser stehe ich vor dem Entwurf der Brücke, die stattdessen dort gebaut werden soll und das Stadtbild für die nächsten Jahrzehnte prägen wird.

Ich schaue fassungslos auf ein altes Dorf, in dem die Mehrzahl der Häuser mit dicken Dämmplatten zugeklebt wurden und die nun – wohl um sie wieder unterscheidbar zu machen, in knalligen Farben und mit Mustern bemalt wurden – Blockstreifen, riesige Rauten, Kontrastfarben zur Hervorhebung der Fenster. Was entsteht, ist ein Chaos aus Farben und Formen, die völlig unverbunden nebeneinander stehen und jeglichen Bezug zum Dorf oder zur Umgebung verloren haben.

Ich fahre durch Oberösterreich und stelle fest, dass die traditionelle Art zu bauen und die über Jahrhunderte entstandenen Gestaltungsmerkmale verschwinden. Die früher unsere Ortschaften prägenden Gestaltungselemente, Proportionen und Baumaterialien werden nicht mehr eingesetzt. Aber mehr noch: Dort, wo sie noch vorhanden sind, werden sie mit Dämmplatten zugekleistert, mit Knallfarben übertüncht oder mit formlosen Anbauten verschandelt. Oder gleich ganz abgerissen.

Als Wohnpsychologin weiß ich: Unsere Umgebung hat Einfluss auf uns. Es macht etwas mit uns, wenn wir von einer visuell harmonischen Umwelt umgeben sind. Es macht aber auch etwas mit uns, wenn wir von Hässlichkeit oder gestalterischer Beliebigkeit umgeben sind.

 

3.

Tarek Leitner fragt sich in seinem Buch, warum nicht andauernd ein Aufschrei durch Gemeinden oder unsere Gesellschaft im Gesamten geht. Warum sich niemand wehrt gegen die Verschandelung der Umwelt und die Zerstörung der Bilder, die wir sehen, wenn wir in unser Land schauen.

Das ist eine gute Frage. Warum ist das so?

Um nicht missverstanden zu werden: Ich muss nicht in einer Welt voller Wernigerodes leben. Es muss auch nicht immer nur Altbau sein. Wernigerode hat mir nur gezeigt, wie anders sich eine Umgebung anfühlt, die nicht völliger Beliebigkeit ausgesetzt ist. Es geht mir also um ein bewusstes Gestalten der Umwelt. Bauen mit Bezug zum Vorhandenen, zur Nachbarschaft und zur Region.

Ein bisschen hoffnungsfroh stimmt es mich, wenn ich feststelle, dass das Thema offenbar doch mehr Menschen beschäftigt, als der Blick aus dem Autofenster bei der Fahrt durch viele Gegenden Österreichs oder Deutschlands nahelegt.

Ein aktueller Artikel in der Wirtschaftswoche mit dem Titel „Deutschland deine Dörfer“ beschreibt ebenfalls das Phänomen der Zerstörung der alten Dörfer durch bauliche Beliebigkeit – zeigt aber auch auf, dass sich da und dort Widerstand regt. Es gibt Dörfer und Gemeinden, die klare Gestaltungsvorgaben machen und baulicher Willkür Grenzen setzen. (http://www.wiwo.de/erfolg/trends/heimatkunde-alte-haeuser-bergen-und-neue-architektur-in-den-bayerischen-wald-bringen/14582656-3.html). So werden dort zum Beispiel „ortsunübliche Gestaltungsmittel“ verboten oder die Ansiedlung von Gewerbegebieten am Ortsrand verhindert. Ziel ist eine Belebung und Aufwertung der Dorf- und Stadtkerne und ein Bewahren der regionalen Baukultur.

Solche Beispiele zeigen, dass es möglich ist, die eigene Umwelt im positiven Sinn zu gestalten und Verschandelung zu verhindern. Es braucht dazu Menschen, die sich diesem Problem zuwenden und versuchen, Einfluss darauf zu nehmen, was wo wie gebaut wird.

Ich würde mir wünschen, dass das Thema breiter diskutiert würde.

Man kann nicht nicht gestalten

Frei nach Paul Watzlawick („Man kann nicht nicht kommunizieren“), kann man für das Einrichten sagen, dass man die eigenen Räume nicht nicht gestalten kann.

Nichtgestalten

 

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal ist es so: Wir haben Ideen zu einer Veränderung der Wohnung, einen Einrichtungswunsch, das Bedürfnis mal so richtig aufzuräumen. Oder es gibt einen Raum, den man seit Einzug in die Wohnung noch nicht richtig eingerichtet hat. Oder irgendein Provisorium, das man schnell mal installiert hat („Schau mal, der Vormieter hat diesen alten wackelige Kleiderständer hier stehen lassen.“ – „Fein, den stellen wir einfach hier in den Flur, bis wir eine richtige Garderobe haben.“).

Und dann machen wir aber nichts, weil gerade keine Zeit ist, wir zu viel anderes um die Ohren haben oder gerade kein Geld für die neue Tapete. Da und dort blitzt der Impuls auf, etwas zu tun, man spürt, dass die Wohnung an der einen oder anderen Stelle nicht richtig sitzt. Im Alltag mit seinen Anforderungen und seinem Stress verschwindet dieses Gefühl aber auch gleich wieder hinter Terminen und Hektik.

Manchmal verschieben wir eine Gestaltungsaktion auch mit einem dann-wenn-Argument: Ich hänge dann im Wohnzimmer Bilder auf, wenn wir die alte Couch endlich rausgeschmissen und eine neue gekauft haben. Ich räume das Kellerchaos dann auf, wenn wir uns geeinigt haben, ob die Waschmaschine in den vorderen oder den hinteren Kellerraum kommt. Das Garderobenprovisorium fliegt dann raus, wenn mal etwas mehr Geld auf dem Konto liegt.

Und aus dann-wenn wird manchmal nie.

Aber auch ein „Nicht-Gestalten“ ist ein Gestalten. Dann sieht der Raum eben so aus, wie er aussieht, unaufgeräumt oder voll mit Dingen, die man eigentlich nicht mag. Eine Ecke bleibt kahl oder irgendwie fremd. Und so, wie er ist, wirkt der Raum auf uns. Er beeinflusst uns, unser Wohlbefinden und unsere Stimmung.

Wir gestalten unsere Wohnung also immer. Auch wenn wir nichts darin verändern, gestalten wir sie.

Mir geht es darum, sich bewusst zu werden, dass die Wohnung genau so, wie sie jetzt im Moment aussieht, auf uns einwirkt. Man hat genau die Räume, die man sich gestaltet hat. Und auch wenn man schöne Pläne für die eine oder andere Stelle in der Wohnung oder für das ganze Haus hat: jetzt ist sie so, wie sie ist.

Also: schauen Sie sich um in Ihrem Raum, in Ihrer Wohnung. Ja, genau da, wo Sie jetzt sitzen: Welche Ecken, Stellen, Wände oder Räume gibt es, die nicht gestaltet sind? (und dabei also nicht nicht gestaltet sind…). Gibt es keine? Dann ist es gut. (Manchmal ist man ja auch betriebsblind. Ein Augenöffner kann es sein, die eigenen Räume zu fotografieren. Auf Fotos sieht man nicht gestaltete Stellen meist sofort.)

Gibt es Stellen, die nicht (nicht) gestaltet sind und die Sie gern anders hätten?

Dann wäre jetzt ein guter Moment, das zu ändern. Schon in 10 Minuten können Sie eine Stelle schöner machen:

  • Werfen Sie den immer höher werdenden Stapel alter Magazine und Zeitungen, die da schon seit Monaten auf dem Sideboard auf Durchsicht warten, unbesehen in das Altpapier.
  • Stellen Sie an die kahle Wand im Flur einen Strauß Wiesenblumen.
  • Nehmen Sie sich eine Kiste im Keller vor und misten Sie diese aus.
  • Wechseln Sie die kaputte Glühbirne im Bad.
  • Schauen Sie sich im Netz um nach günstigen und schönen Lösungen für die Garderobe im Flur. (Vielleicht lässt sich ja etwas aus dem Keller umfunktionieren? 😉 )

 

Möchten Sie sich den eigenen 4 Wänden einmal etwas eingehender zuwenden? Bald startet der Online-Kurs home-staging-für-dein-zuhause: In 9 praktischen Etappen, je eine pro Woche, gibt es Beispiele, Tipps und Tricks für die Gestaltung des eigenen Zuhauses. Mehr Infos hier: home-staging-für-dein-zuhause

Ein Stück des Wegs

Das Einrichten des eigenen Zuhauses ist ein Prozess. Veränderungen in den Wohnräumen finden meist Schritt für Schritt statt.

Mich bewegt schon länger die Frage: Wie kann ich meine Kunden ein kleines Stück auf ihrem Einrichtungsweg begleiten?
Vor etwa 2 Jahren stieß ich auf shootcamp – das ist der online-Fotokurs des Wiener Fotografen Christian Anderl. Da ich schon lange meine Fotografie-Leidenschaft auf eine solide Wissensbasis stellen wollte, habe ich mich angemeldet – und war begeistert. Über 2 Monate hinweg Woche für Woche Informationen zu einem Foto-Thema mit konkreten Anleitungen und Übungen. Zeit und Ort meiner Kursteilnahme konnte ich selbst bestimmen – ich konnte die Lektionen abrufen und bearbeiten, wann und wo ich wollte. Und es gab die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmern auszutauschen. Ich habe mit sehr viel Spaß eine ganze Menge gelernt und interessante und nette Menschen kennengelernt. (Ich schaue dort im Forum übrigens immer noch dann und wann vorbei.).

Und da wurde mir klar: so ein online-Kurs ist genau das, was ich gesucht hatte – die Möglichkeit, Menschen eine gewisse Zeit beim Verändern und Verbessern ihrer Räume zu begleiten. In den letzten Monaten habe ich nun verstärkt an so einem Kurs gearbeitet. Und jetzt ist er fast fertig!

Er heißt home-staging-für-dein-Zuhause.

Home Staging wird normalerweise in Verkaufsimmobilien durchgeführt mit dem Ziel eines schnelleren und besseren Verkaufs. Die Prinzipien und Techniken des Home Stagings kann man aber auch sehr einfach und effektiv zum Gestalten der eigenen Wohnräume nutzen. Vor allem kann man so Schritt für Schritt die eigenen Räume verändern – mit relativ kleinem Aufwand schafft man eine große Wirkung.

Der Kurs bietet über 9 Wochen hinweg jede Woche Infos und konkrete Anleitungen für Verbesserungen der Wohnräume: Wir beginnen mit einer Bestandsaufnahme, danach zeige ich unter anderem wie man ein Farbschema erstellt, Ordnung in alle Räume bekommt, die richtige Deko findet und die einzelnen Räume der Wohnung, wie Wohnzimmer oder Schlafzimmer mit ein paar Tricks noch schöner machen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmern über Fragen, Probleme und Ergebnisse auszutauschen (wenn man das möchte).

Der Starttermin des ersten Kurses soll noch in diesem Jahr sein.

Wenn das interessant für Sie klingt, können Sie sich unverbindlich in eine Email-Liste eintragen, Sie erhalten dann rechtzeitig vor dem Starttermin alle wichtigen Infos zum Kurs: home-staging-für-dein-zuhause

Was möchten Sie gern wissen?

Aktuell schreibe ich an neuen Blogbeiträgen, jetzt gerade zum Beispiel einen zum Thema „Die Farbe Gelb beim Einrichten“. Mich würde interessieren: Gibt es denn Themen, die Sie gern einmal im Blog lesen würden? Haben Sie eine Frage, die ich einmal beantworten soll? Dann gern immer her damit!

Schreiben Sie mir: entweder in einen Kommentar zu diesem Beitrag oder gern auch per Email

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Zum Blogartikel vom Januar über das Home Staging Projekt Erbimmobilie (den Artikel finden Sie hier) bekam ich folgenden Kommentar geschickt:

Liebe Frau Dr. Perfahl,
vielen Dank für diesen schönen Artikel. Ich freue mich immer sehr, wenn hier wieder ein neuer Post zu lesen ist.
Diese Verwandlung ganz besonders spannend! Mich würde sehr interessieren, was im Detail gemacht wurde, vielleicht können Sie ein bisschen „aus dem Nähkästchen plaudern“? Liegt es wirklich nur an den ausgetauschten Teppichen? Im Bad wurde wohl der Boden ausgetauscht. Hat das schöne Parkett noch eine Extrabehandlung bekommen? Wände wurden ja auch gestrichen oder neu tapeziert … wer macht das denn? Und wem gehören die Gegenstände, die speziell für das Home Staging verwendet wurden?
(…)
Viele Grüße

Das mache ich doch gern! Hier also der Bericht:

Das Haus

Das Haus stammt aus den 50ern (ich vermute, dass es sogar älter ist, möglicherweise aus den 30er-Jahren; es wurde aber auf jeden Fall in den 50ern umgebaut). In den 60er-Jahren kam noch ein Anbau dazu. Innen fanden sich viele Gestaltungselemente aus den 50er- und 60er-Jahren, vor allem war das Haus über die Jahrzehnte mit sehr hochwertigen Tapeten, Teppichen und Möbeln ausgestattet worden. Jeder Raum war mit einer anderen Tapete geschmückt, vor allem in den Wohnräumen im Erdgeschoss lagen viele Teppiche und standen schöne alte Möbel. Alles machte den Eindruck, dass sich hier jemand schon vor Jahrzehnten mit viel Liebe, Herzblut und auch Geld seinen Wohntraum erfüllt hatte.

HS 16.10.15 WZ1

Das Haus liegt zudem auf einem für innerstädtische Verhältnisse sehr großen Grundstück, sogar mit einem großen Pool, der allerdings auch schon sehr in die Jahre gekommen ist.

Im ganzen Haus wurde viel Holz verwendet: Wandverkleidung im Flur, die Treppe, der schöne Parkettboden in allen Wohnräumen, viele Holzdecken sowie Zierbalken in der Küche.

HS 16.10.15 Kü

Im Haus befanden sich zudem noch Dekorationsgegenstände und Bilder sowie einige persönliche Dinge der früheren Bewohner, einem Seniorenpaar.

HS 16.10.15 Eingang

Problematisch erschien bei der ersten Besichtigung, dass die Wohnräume im Erdgeschoss eher dunkel wirkten und als besondere Schwierigkeit waren alle Teppiche rundherum mit doppelseitigem Klebeband auf dem Parkett verklebt.

Ausgangssituation für die gestaltung

Für das Entwickeln eines Gestaltungskonzepts waren vor allem folgende Punkte wichtig:

  • Viel Holz (überwiegend Honigton)IMG_6127
  • Türkises Badezimmer und türkiser Pool beim Blick aus dem großen WohnzimmerfensterHS 16.10.15 Bad
  • Teppiche auf dem Fußboden verklebt (wie kriegt man den sauber?)IMG_6144
  • Wohnräume im Erdgeschoß wirken dusterIMG_6162

 

Vorbereitende Arbeitsschritte

Vor dem eigentlichen Einrichten waren folgende Schritte notwendig:

  1. Ausräumen fast aller Möbel, Einrichtungsgegenstände und persönlicher Dinge (ein paar wenige Möbel konnten wir ins Gestaltungskonzept einbauen)
  2. Entfernen aller Teppiche.
  3. Alle Wände wurden weiß gestrichen (in manchen Räumen über die Tapete; in anderen wurde die Tapete vorher entfernt).
  4. Danach rückte eine Reinigungsfirma an, die mit einem Spezialreinigungsmittel und einer Bodenputzmaschine den Kleber des Klebebandes, der sich gut mit dem Parkett verbunden hatte, rückstandslos entfernen konnte. (Alle meine Versuche, den Kleber zu entfernen, waren zuvor gescheitert…)
  5. Im kleinen Badezimmer wurde der alte Teppichboden entfernt, darunter fand sich tadelloses Linoleum.
Das Gestaltungskonzept
  • Um ein Gegengewicht zum vielen Holz (warm, eher dunkel) zu schaffen: WEISS
  • Um eine Verbindung zum alten Haus zu schaffen: EINIGE DER ALTEN MÖBEL
  • Um die Farbe von Bad und Pool aufzugreifen: LEITFARBE TÜRKIS (mit benachbarten Tönen, wie petrol und hellblau)
  • Um die dunklen Räume heller zu bekommen: VIEL LICHT

Auf dem folgenden Foto sieht man alle diese Elemente vereint:

HS 16.10.15 Vorraumn

Weißer Teppich, weiße Deko oben auf dem Bord im Flur, die Küchenbank mit weißem Stoff bezogen, ein Bild mit viel Weiß und der Leitfarbe (mit einer Leinwand und etwas Acrylfarbe im Handumdrehen gemalt), Kissen in der Küche und rechts im Gästezimmer, eine kleine Tischlampe in der Küche hinter der Bank, eine Stehlampe im Gästezimmer, eine neue Deckenlampe im Flur.

Hier zur Erinnerung noch einmal das vorher-Bild dazu:

HS 16.10.15 Vorraum

 

Wichtig beim Gestaltungs- und Farbkonzept ist immer, dass es sich konsequent durch alle Räume des Hauses oder der Wohnung zieht.
HS 16.10.15 WZ7n  HS 16.10.15 Kü1n
HS 16.10.15 AZn
HS 16.10.15 WCn
HS 16.10.15 SZ1n
HS 16.10.15 KiZ 1

Voilá!

(Das Haus fand übrigens innerhalb von 5 Wochen einen Käufer)

 

Zu den zwei noch offenen Fragen:

1) Wer erledigt die Arbeiten, wie das Streichen der Wände?

Das mache ich manchmal selber, manchmal beauftrage ich einen Maler. Manchmal kümmert sich auch der Auftraggeber selbst darum, bevor unser Einsatz beginnt.

2) Wem gehören die Möbel, die beim Home Staging verwendet werden?

Ich arbeite mit eigenen Möbeln. Das heißt ich habe einen Fundus von Möbeln und Dekorationsgegenständen, die ich immer wieder verwende. Für jedes Projekt kaufe ich in der Regel dann einige Dinge neu dazu und lasse eigene Bilder auf Leinwand drucken.

Mehr Fotos von Home Staging -Projekten finden Sie übrigens auf meiner österreichischen Webseite www.die-wohnpsychologin.at , die sich ausschließlich dem Thema Home Staging widmet.

 

(Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, in Ihren eigenen 4 Wänden auch ein bisschen was zu verändern: Demnächst startet mein neuer Online-Kurs home-staging-für-dein-zuhause. )

Warum die Wohnung unserer Kindheit für uns wichtig ist

Wissen Sie noch, wie Sie als Kind gewohnt haben? Ich meine die Wohnung, in der Sie in den ersten Jahren Ihres Lebens gelebt haben, Ihre allererste Wohnumgebung. Erinnern Sie sich, wie diese Wohnung Ihrer Kindheit ausgesehen hat?

Sind Sie in Gedanken manchmal dort?

BlickausFensterdurchStor

 

Wenn ich in meiner Arbeit als Wohnpsychologin Menschen frage, wie sie früher gewohnt haben, berichten nur wenige über die Wohnung ihrer Kindheit. Sie erzählen mir von ihrer letzten Wohnung, der schönsten Wohnung oder ihrer allerersten eigenen Wohnung. An die Wohnung ihrer Kindheit denken viele erst einmal nicht.

Dabei prägt uns die Wohnung unserer Kindheit mehr als alle anderen – sie hat nicht nur Einfluss auf unsere jetzigen Vorstellungen vom Wohnen, sondern auch auf unsere Entwicklung und sogar auf unsere Persönlichkeit. Das hat verschiedene Gründe, 2 davon sind aus meiner Sicht besonders interessant.

 

1. Als Kind erlernt man Raumwahrnehmung zum allergrößten Teil im eigenen Zuhause.

Die Räume unserer Kindheit sind die Räume, in denen wir begonnen haben, unsere Umwelt zu erkunden. Wir haben darin laufen gelernt, haben begonnen, den Raum um uns zu erforschen und zu erfahren. Dabei ist es so, dass in den ersten vier Lebensjahren die Wahrnehmung von Räumen noch rein auf Gefühlen von Vertrautheit oder Fremdheit und Zusammengehörigkeit oder Unterschiedlichkeit beruht. Räume werden in diesem frühen Alter noch nicht in Entfernungen, Perspektiven oder Proportionen wahrgenommen und eingeordnet. Die Räume, in denen das Kind aufwächst sind zu Beginn also quasi Bestandteil des eigenen Erlebens. Geschehnisse und Emotionen kann das Kind noch nicht von den Räumen trennen, in denen es diese erlebt. Der Raum wird erst später, ab einem bestimmten Entwicklungsstand als unabhängige Struktur wahrgenommen.

Das heißt aber auch, dass die Räume unserer Kindheit quasi unsere persönlichen Raum-Prototypen sind. An ihnen gleichen wir alle anderen ab, ob bewusst oder unbewusst.

Es gibt außerdem Belege dafür, dass die Wohnumgebung, in der man im Alter zwischen drei und sechs Jahren gewohnt hat, einen nicht unerheblichen Einfluss darauf hat, welche Umgebung man später als schön empfindet. Wir lernen also nicht nur Raumwahrnehmung in den Räumen unserer Kindheit, sondern bilden darin und dadurch auch unsere ästhetischen Vorlieben aus.

 

2.  Unser Zuhause, also unsere Wohnung, ist immer Träger von Erinnerungen. 

Unsere Persönlichkeit, unser Ich, beruht zu einem wichtigen Teil auf unseren Erinnerungen. Wenn Menschen ihr Gedächtnis verlieren, zum Beispiel nach einem Unfall, dann wissen sie plötzlich nicht mehr, wer sie eigentlich sind.

Wir wissen, wer wir sind, weil wir wissen, was wir erlebt haben. Und Erlebnisse haben immer einen Ort. Diese Orte werden dadurch gleichzeitig auch Teil unserer Ich-Identität. Dafür gibt es einen Begriff, nämlich Ortsidentität. Der Ort, an dem sich unser Leben abspielt, ist ein Teil von uns selbst.

Zu den Orten, an denen wir viel Zeit verbringen und die uns wichtig sind, bauen wir zudem eine emotionale Bindung auf. (Auch dafür gibt es einen Begriff: die Ortsbindung.)

Unsere Kindheitswohnung prägt also unsere Raumwahrnehmung und hat Einfluss darauf, was uns später gut gefällt oder weniger gut, sie ist Teil unserer Identität und wir haben eine emotionale Bindung zu ihr.

Ich finde, das ist ein ziemlich großer Einfluss, den die Räume unserer Kindheit auf uns haben!

 

 

Dachboden mit Fenster

 

Aber inwiefern beeinflusst das unser jetziges Wohnen?

.) Die Qualität einer Wohnsituation messen wir an unseren bisherigen Wohnerfahrungen. Frühere Wohnungen bilden die Bezugsgröße für die Bewertung der aktuellen Wohnung. Es ist einleuchtend, dass dabei unsere „Raum-Prototypen“ – also die Wohnräume unserer frühen Kindheit, eine wichtige Bezugsgröße darstellen.

.) Wir haben einen engen emotionalen Bezug zu den Räumen unserer Kindheit – der ist nur im Alltag  meist nicht spürbar. Spüren können wir diese Gefühle aber dann, wenn wir uns in Räumen aufhalten, die uns irgendwie an die Räume unserer Kindheit erinnern.

.) Unserer ästhetischen Vorlieben haben ihre Wurzeln in den Räumen unserer Kindheit. Ob uns Räume, Wohnungen oder auch Einrichtungsgegenstände gefallen, kann daran liegen, ob sie den Räumen unserer Kindheit gleichen, zumindest in bestimmten Merkmalen. (Die runden Formen der 60-er Jahre Kommode,  der Korkboden, der rote Samt eines Kissens).

 

Das Schöne daran ist nun:

Wenn ich weiß, wie meine Kindheitswohnung ausgesehen hat, und wenn ich weiß, welche Raumeigenschaften oder Einrichtungsgegenstände mich emotional positiv ansprechen, dann kann ich mir diese Dinge in meine jetzige Wohnung holen. Ich kann mir damit etwas Gutes tun, mich mit Dingen umgeben, die mir gefallen, mir eine Wohnsituation schaffen, mit der ich glücklich bin.

Wohnzufriedenheit hat also ein bisschen auch mit dem Wissen um das Wohnen in der Kindheit zu tun.

 

… und jetzt sehen Sie sich einmal um:

Gibt es in Ihrer jetzigen Wohnung irgendetwas, das Sie an die Wohnung Ihrer Kindheit erinnert? Gibt es vielleicht sogar Elemente in Ihrer jetzigen Wohnung, die es schon in Ihrer Kindheitswohnung gab? Eine bestimmte Kommode, ein Deko-Element. Oder einen baulichen Aspekt Ihrer Wohnung, wie einen Erker, den Parkettboden, oder die Raumanordnung? Vielleicht finden Sie bei sich Zuhause ja schon Elemente Ihrer Kindheitswohnung wieder, die Sie gern mögen, die Ihnen gut gefallen, die Ihre Wohnzufriedenheit erhöhen. Das ist gut! Das heißt, Sie nutzen schon die positive Energie Ihrer Kindheitsräume für sich.

Finden Sie nichts aus Ihrer Kindheitswohnung wieder? Dann schauen Sie doch noch einmal genauer zurück: Gibt es Möbel, Einrichtungsgegenstände oder auch Einrichtungslösungen (zum Beispiel ein Alkoven oder eine Wohnküche) aus Ihrer Kindheitswohnung, die Sie gerne wieder um sich hätten?

Manchmal sind es ganz kleine Dinge: Ein Kissen in einer bestimmten Farbe; die Farbe eines Vorhangs aus Ihrer Kindheitswohnung, den Sie stundenlang anschauen und in dem Ihr Blick versinken konnte. Der Türknauf einer Kommode; genauso einen hatte Ihr Wäscheschrank als Kind. Die etwas altmodischen Korkuntersetzer, deren mondartige Oberfläche Sie als so Kind fasziniert hat.

Solche kleinen Dinge lassen sich einfach ins Jetzt holen. Gehen Sie mit offenen Augen durch Einrichtungshäuser, Möbelläden oder über Flohmärkte. Sie werden staunen, wie oft Sie Bezüge zu Ihrer Wohnvergangenheit finden können.

Manchmal sind es aber auch bauliche Elemente, die man schon als Kind toll fand: Der Fenstersitz. Der Dielenboden. Das kuschlige kleine Zimmer, in dem man geschlafen hat. Dann wird es schon schwieriger. Aber vielleicht können Sie mit etwas Planung ein solches Elemente nachbauen. Und wenn nicht, bewahren Sie sich das Wissen um Ihre Wohnvorliebe für die nächste Wohnungssuche auf. Mit etwas Glück finden Sie den Erker, die Dielen oder das kleine kuschlige Zimmer in Ihrer nächsten Wohnung wieder.